Mieterstrom – ein neuer Schub für die Energiewende?

Magazin
25.01.2018

Vermieter haben dank des Zuschlags für Mieterstrom endlich einen neuen Anreiz, Solaranlagen auf ihren Wohngebäuden anzubringen. Gleichzeitig können mit dem Gesetz zum Mieterstrom tausende neue Verbraucher direkt an der Energiewende beteiligt werden, indem sie sauberen Ökostrom zu günstigen Preisen beziehen.

Bis Juli 2017 profitierten vor allem Eigentümer von Einfamilienhäusern davon, auf ihrem Hausdach eine Solaranlage anzubringen und den mit Photovoltaik gewonnenen Solarstrom im eigenen Haushalt zu verbrauchen oder ins Netz einzuspeisen. Seit aber am 25. Juli 2017 die Europäische Kommission grünes Licht für das Mieterstromgesetz gegeben hat, wurde auch für Vermieter der Anreiz geschaffen, in Solaranlagen zu investieren und den Solarstrom zu attraktiven Preisen an die Mieter weiterzugeben. Damit können endlich viele bisher brachliegende Dachflächen für die Umwandlung von Sonnenenergie in Strom genutzt werden. Ein wichtiger Schritt bei der Förderung erneuerbarer Energien.

Mieterstrom – was steckt dahinter?

Dank des Gesetzes zum Mieterstrom können nun also auch Eigentümer, die die Wohnungen ihres Hauses ganz oder teilweise vermieten, Solaranlagen auf dem Gebäude montieren lassen und den Solarstrom ihren Mietern zu günstigen Preisen zur Verfügung stellen. Dabei muss der gewonnene Strom an Mieter in unmittelbarer Umgebung geliefert werden, ohne dass er zuvor durch das öffentliche Netz geleitet wurde. Dadurch, dass die Netzdurchleitung wegfällt, kann der Mieter den Strom günstiger abnehmen, denn es entstehen weder Netznutzungsentgelte noch Konzessionsabgabe. Wenn die Solaranlage keinen Strom produziert, zum Beispiel in den späten Abend- oder frühen Morgenstunden, beziehen die Mieter ihren Strom von einem öffentlichen Energieversorger.

Für Vermieter bzw. Anlagenbetreiber von Solaranlagen auf Mehrfamilienhäusern war es auch vor dem Gesetzbeschluss 2017 möglich, den Strom an ihre Mieter abzugeben. Allerdings war es oftmals rentabler, den Strom ins öffentliche Netz zu leiten und die Einspeisevergütung einzunehmen. Nach dem Beschluss des Mieterstromzuschlags nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist es für die Vermieter attraktiver geworden, ihren Strom direkt an private und gewerbliche Mieter im Gebäude zu verkaufen und den Solarstrom gar nicht erst in das öffentliche Netz zu leiten.

Wann wird der Mieterstromzuschlag gewährt?

Damit dem Vermieter der Mieterstromzuschlag gewährt werden kann, muss er folgende Bedingungen erfüllen: Die Solaranlage muss sich in, an oder auf einem Gebäude in unmittelbar räumlichem Zusammenhang zu den Letztverbrauchern, also Mietern befinden. Sie muss demnach nicht zwingend direkt auf dem Dach des Mietshauses montiert sein, sondern zum Beispiel auch auf einem Nebengebäude.

Die installierte Leistung der Solaranlage darf 100 Kilowatt nicht überschreiten. Der Solarstrom muss direkt an den Mieter ohne Umweg über das öffentliche Stromnetz geleitet werden. Außerdem muss die Anlage wie üblich bei der Bundesnetzagentur registriert sein. Generell gilt, dass die Anlagenbetreiber den Zuschlag für Mieterstrom nur erhalten dürfen, wenn die Solaranlage nach dem Inkrafttreten des Gesetzes, also nicht vor dem 25. Juli 2017 ans Netz gegangen ist.

Wonach bemisst sich die Höhe des Mieterstromzuschlags?

Der Zuschlag für den Mieterstrom ist abhängig von der Größe der Solaranlage, außerdem wird auch der gesamte Zubau im Photovoltaik-Bereich miteingeplant. Aktuell liegt der Mieterstromzuschlag zwischen 2,2 Cent/kWh und 3,8 Cent/kWh.

Installierte Leistung Mieterstromzuschlag
bis 10 kW 3,81 Cent/kWh
über 10 kW bis 40 kW 3,47 Cent/kWh
über 40 kW bis 100 kW 2,21 Cent/kWh

 

Mieterstrom, der nicht im Haus verbraucht wird, fließt ins öffentliche Stromnetz. Dafür erhält der Solaranlagen-Betreiber die Einspeisevergütung nach dem EEG.

Die Vorteile für die Mieter

Wichtiger Teil des Mieterstromgesetzes ist es, dass die Mieter nicht dazu verpflichtet sind, den Solarstrom abzunehmen. Jeder darf frei entscheiden, ob er lieber den grünen Strom aus der Solaranlage oder Strom aus dem öffentlichen Netz beziehen möchte. Daher ist der Mieterstromvertrag auch immer getrennt vom Mietvertrag abzuschließen, damit die Mieter ihn ebenso unabhängig davon kündigen können. Außerdem gilt eine Preisobergrenze, die 10 % unter dem örtlichen Grundversorgungstarif liegt.

Für Geringverdiener ist Mieterstrom eine dankbare Alternative. Gerade, wenn ein Großteil des Geldes für die Deckung der Stromkosten draufgeht, bleibt mit günstigem Solarstrom auf der Photovoltaik-Anlage am Ende des Monats mehr im Geldbeutel übrig. Eine soziale Komponente, die auch die Vermieter nutzen können.

Gewerbliche Mieter können dank Mieterstrom eine bessere CO2-Bilanz ihres Gewerbes ausweisen. Allerdings muss in Gebäuden, in denen Mieterstrom angeboten wird, der Anteil der privaten Mieter bei mindestens 40 Prozent liegen, ansonsten erhält der Vermieter bzw. Betreiber der Solaranlage keinen Mieterstromzuschlag.

Mieterstrom schafft Anreiz für die Energiewende

Viele Verbraucher wünschen sich, grünen Strom beziehen zu können, von dem sie im besten Fall auch wissen, wo er herkommt. Wer in einem Mehrfamilienhaus zur Miete wohnt, hatte es bislang allerdings schwer, sich an der Energiewende zu beteiligen. Mit dem Mieterstromgesetz können jetzt mehr Mieter aktiv daran teilnehmen, sofern sich ihr Vermieter dazu entscheidet, Solaranlagen zu montieren und Mieterstrom anzubieten.

Auch auf Seiten von Vermietern ist das Modell aufgrund des neu beschlossenen Mieterstromzuschlags interessant. Laut einer Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) könnten in Deutschland bis zu 3,8 Millionen Wohnungen mit Mieterstrom versorgt werden. Damit besteht bei rund 18 Prozent der vermieteten Wohnungen die Möglichkeit, Solaranlagen anzubringen und den Solarstrom den Mietern anzubieten.

Kritik am Mieterstromgesetz

Bei der Verhandlung des Gesetzes zum Mieterstrom hatten Verbraucherschützer darauf gehofft, dass Vermieter, die ihren Mietern Solarstrom vom eigenen Hausdach anbieten, mit Eigenheimbesitzern gleichgestellt werden, die ihren Solarstrom selbst verbrauchen. Denn wer auf seinem eigenen Haus eine Solaranlage mit einer installierten Leistung von unter 10 Kilowatt Peak betreibt, ist von der EEG-Umlage befreit – im Gegensatz zu Vermietern. Sie müssen die EEG-Umlage bezahlen, egal wie groß die Solaranlage ist, deren Solarstrom sie an ihre Mieter weiterverkaufen.

Mit der Lösung, den Vermietern bzw. Betreibern der Mieterstrom-Solaranlagen einen Zuschlag zu gewähren, ist von der Politik also keine Gleichstellung erreicht worden. Statt die EEG-Umlage vollständig zu erlassen, sollen durch den Zuschlag Vorteile gewährt und Anreize für den Zubau von Solaranlagen geschaffen werden. Allerdings macht das das Mieterstrommodell auch um einiges komplizierter. Wie Vermieter darauf reagieren, die mit dem Gedanken spielen, in Solaranlagen zu investieren und Mietern den Solarstrom anzubieten, muss man abwarten.

Außerdem wird von Kritikern des Mieterstroms beklagt, dass seitens des Gesetzgebers der jährliche Zubau von Solaranlagenleistung gedeckelt wurde. Das fördere nicht den dringend nötigen Ausbau im Bereich Photovoltaik, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Der Mieterstromzuschlag wird nur solange gewährt, wie das gesetzlich vorgesehene Volumen von jährlich 500 Megawatt Solaranlagenleistung nicht überschritten wird.

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